Das Wort Cocktail hingegen erschien erstmalig 1803 in einer Zeitung und es dauerte weitere 3 Jahre bis eine Definition für diesen gegeben wurde..
In der Zubereitung, dem Julep ähnlich, verzichten Cobbler auf die Verwendung von Minze und basierten überwiegend auf Weinen als alkoholische Basis. Zur Anwendung kamen z.b. Portwein, Sherry, Champagner, Catawba (eine alte amerikanische Weinsorte), Sauternes, Bordeaux, sowie Weine von Rhein und Mosel. Die Verwendung deutscher Weine in damaliger Zeit unterstreicht deren ausgezeichnete Qualität, welche von späteren Generationen durch Massenproduktion leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurde und sich erst in jüngerer Zeit wieder deutlich verbessert hat.
Neben den leichten Weinvarianten kamen aber auch sehr früh potentere Versionen auf Brandy und Rye Whiskey Basis in Mode. Cobbler dürften auch die ersten Mixgetränke gewesen sein, bei denen frische saisonale Früchte als Zutat! zur Anwendung kamen. Serviert wurden Cobbler anfänglich in Weinkelchen, später wurden gern Limonadengläser zur Anwendung gebracht. Das Grundprinzip eines Cobblers ist denkbar einfach und erfordert nicht allzu viel handwerkliches Geschick. Ein paar Stücke Orange, Zitrone, Ananas oder auch Beeren aller Art, zusammen mit ein oder zwei Barlöffel Zucker und eine grosszügige Portion Wein werden mit viel Eis geschüttelt, mit einem Stück Zitronenschale verfeinert und anschliessend auf viel crushed oder shaved Eis in geschmackvoller Weise mit saisonalen Früchten garniert.
Cobbler werden immer mit Trinkhalm getrunken! In früherer Zeit war der Ausdruck des Strohhalmes noch durchaus treffend, weil es sich wirklich um Stroh handelte. Man war aber auch durchaus erfinderisch und benutzte allerlei Röhrchen bis hin zu Maccaronis als Trinkhilfe.
Die durch das crushed Eis hervorgerufene Verdünnung der alkoholischen Basis bei gleichzeitiger Anreicherung mit dezenten Fruchtaromen gibt dem doch recht schweren Sherry, Süß- und Portweinen eine angenehme Leichtigkeit die sie sonst vermissen lassen. Weiterhin hatten Cobbler auf Weinbasis nicht die alkoholische Kraft einer Mixtur mit Spirituosen und verursachten einen langsameren Rausch. Da verwundert es nicht, dass der Sherry Cobbler sich einst sehr grosser Beliebtheit erfreute und Harry Johnson ihn 1888 als das zweifellos populärste Getränk in Amerika, sowohl bei den Damen, wie auch bei den Herren beschrieb.
Der Name Cobbler, so nimmt man an, leitet sich vom Schuhmacher (engl.Cobbler) ab, da das Schlagen der Eiswürfel am Mixbecher an das Hämmern in den Schuhwerkstätten erinnerte.
Ursprünglich wurden alle Zutaten in das Glas gegeben und ein zweiter etwas grösserer Behälter darübergestülbt (in Form des heutigen Boston Shakers), geschüttelt und in dem Mixglas serviert. Der Cocktailshaker wie er heutzutage in jedem Kaufhaus zu bekommen ist, wurde in den Anfangstagen in seiner 3 teiligen Form auch oft als Cobbler Shaker bezeichnet. Hierzu sind die historischen Aufzeichnungen teilweise verwirrend, manchmal nannte man auch den 2 teiligen Bostonshaker einen Cobbler Mixer. Der Begriff Boston Shaker tauchte wiederum erst am Anfang des 20 Jh. in den Barbüchern auf. Die 3 teilige Form des Cocktailshakers besaß ein eingebautes Sieb, das die nach dem Schütteln nicht mehr allzu appetitlich anzuschauenden Fruchtstücke und die Eiswürfel zurückhielt und sich im Grundaufbau bis heute nicht verändert hat. Findet der Boston Shaker hauptsächlich bei professionellen Bartendern Anwendung, so war der Cobbler Shaker die vorherrschende Form der Hausbars. Das Grunddesign wurde gern in neue Formen übernommen und brachte Flugzeuge, Zeppeline, Leuchttürme, Pinguine, Glocken oder auch Damenschuhe in Shakerform hervor und sind heute hochbezahlte Sammlerobjekte.
Geht man nun einen Schritt weiter und zerkleinert die Fruchtstücke vor dem Shaken noch etwas mit dem Mörser um die Öle und Säfte zu extrahieren, kommt man schnell zu den vermeindlich moderneren Kreationen heutiger Bars.
Die allgegenwärtigen Crushed Drinks á la Bombay Crushed oder Caipirinha sind keine Erfindung der Moderne, sondern direkter Nachfolger der Cobbler. Wie der geschätze Kollege Goncalo de Sausa Montiero einst so treffend formulierte, eine Caipirinha hätte man im 19 Jh. ganz einfach einen Brazil Rum Cobbler genannt.
Bei der zunehmenden Fokusierung auf klassische Barthemen verwundert es nicht, dass Cobbler wieder vermehrt auf den Getränkekarten der angesagtesten Bars zu finden sind. So findet man auf dem Menü des Londoner Milk&Honey einen Rye Port Cobbler und auch die Match Bar Group offeriert ihrer Kundschaft wieder einen Port Cobbler in klassischer Manier.
Die Vielseitigkeit der Cobbler ist unbestritten, man kann die Früchte beliebig kombinieren oder man wählt verschiedene Alkoholika, der Zucker kann durch Fruchtsirup oder Likör variiert werden und selbst die Beimischung von etwas Fruchtsaft ist durchaus legitim. Zu beachten bleibt allerdings, dass die gewählte Spirituose im Vordergrund der Mixtur bleibt.
Eine finale Warnung sei gegeben:This will do things to you if you don`t watch out!
Sherry Cobbler (meine Methode)
Eine unbehandelte Zitrone wie einen Apfel schälen und in Spiralform in ein Longdrinkglas geben.
Möglichst die Schale vor dem Schälen aufrauhen! Das Glas mit crushed Eis füllen.
In einem Shaker kombiniere man 2 St. Ananas, 3 St.Orange, 2 St. Zitrone und einige Beeren nach Saison und drücke diese mit einem Mörser etwas an. Dazu gibt man 2 gehäufte Barlöffel Zucker und 8-10 cl Cream Sherry mit 1-2 Barlöffel Cointreau. Lang und kräftig auf viel Eis schütteln und in das vorbereitete Glas geben und mit einem Barlöffel aufrühren bis sich das Glas mit Eis beschlägt . Weiteres crushed Eis und einen Trinkhalm hinzufügen. In geschmackvoller Weise mit Früchten verzieren.
Champagner Cobbler (Dale deGroff)
1 Stück Orange
1 Stück Zitrone
1 Stück Ananas ohne Schale
2 cl Maraschino Liör
12 cl Champagner
Die Früchte mit dem Maraschino in einem Barglass andrücken, mit viel crushed Eis auffüllen und den Champagner dazugeben. Vorsichtig umrühren und mit einem Stück flambierter Orangenschale aromatisieren.
(Dieser Artikel erschien im Mixology Magazin Ausgabe 2/07)


